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Es ist ein bisschen, als ob Coca-Cola ankündigen würde, keine Softdrinks mehr herzustellen, oder Rolex bekanntgeben würde, dass man das Uhrengeschäft bleiben lasse. Nach dem x-ten mauen Quartalsbericht hat Blackberry verlautet, keine Smartphones mehr herstellen, sondern sich auf die Software-Entwicklung konzentrieren zu wollen. Stopp. Das ist also das Ende der Geschichte der kanadischen Kult-Smartphones mit Tastatur, der Brombeere als Logo und der Möglichkeit, darauf E-Mails zu lesen.

Dabei waren Blackberrys noch bis vor wenigen Jahren dank ihrer Benutzerfreundlichkeit Benchmark für die Konkurrenz und nicht zuletzt das Erkennungsmerkmal von Managern in aller Welt. Wobei man dazu sagen muss: die berühmten Smartphones samt Tastatur werden nicht verschwinden. Vielmehr gehen Entwicklung und Produktion des Blackberry-Klassikers an die indonesische PT Tiphone, die die Smartphones in Asien weiter produzieren wird.

Die Nachricht vom Ausstieg ist ein Grund, auf die Geschichte jener Firma zu blicken, die hinter Blackberry steht: Research In Motion, kurz: RIM. 1984 von Mike Lazaridis und seinem Freund aus Kindheitstagen Doug Fregin (später kam auch noch Studienkollege Michael Barnstijn dazu) im kanadischen Waterloo (Ontario) gegründet, kümmerte sich RIM zunächst um die Entwicklung eines Automatisierungs- und Informationssystems für General Motors.

Danach steigt man in die Wireless-Technologie ein und beginnt, erste tragbare Geräte zu entwickeln. Sie waren ursprünglich nichts anderes als einfache Pager samt Kalender und einem simplen Nachrichtensystem, die unter der Marke BlackBerry Limited produziert wurden. Die Geräte werden rasant weiterentwickelt und – in der Entwicklungsphase nach Nokia – zur Benchmark.

An der Marktspitze hält man sich zunächst konsequent, allerdings wird mit den Jahren die Konkurrenz aus Asien immer mehr spürbar. Sie wirft Handys mit Touchscreen auf den Markt, die dafür sorgen, dass die Blackberrys mit ihren kleinen Bildschirmen und der Tastatur – die übrigens unglaublich einfach zu bedienen sind – bald schon aussehen, als seien sie von gestern. Die Nachricht vom Ausstieg aus dem Smartphonegeschäft kommt demnach nicht überraschend. Im Gegenteil: Sie hat sich abgezeichnet und ratifiziert nur etwas, was Beobachter des Marktes spüren konnten.

Blackberry hat also entschieden, ein neues Kapitel aufzuschlagen und vielleicht ist es gut, dass sich die Firma auf neue Dienste spezialisiert und auf komplette Innovation setzt. Den Mut, diese radikale Änderung anzugehen, hat man jedenfalls. Und das ist durchaus eine Nachricht wert, denn andere Marken wurden von der Entwicklung vom Markt gefegt. Erinnern Sie sich noch an Kodak, den Hersteller von Filmen, die plötzlich keiner mehr gebraucht hat, weil die Digitalkamera Einzug gehalten hat. Heute ist auch diese fast schon obsolet, verdrängt von Smartphones, deren Fotofunktion immer besser wird. Die Geschwindigkeit, mit der solche Veränderungen vonstatten gehen, ist enorm. Zahllose Südtiroler haben etwa jahrelang mit Nokia-Handys telefoniert, in wenigen Jahren gab’s davon aber keine Spur mehr.

Ähnliche Prozesse gibt es durchaus auch in kleinen und mittleren Unternehmen. Man hängt sie nicht an die große Glocke, weil es meist um technische Diskussionen geht, aber für uns, die wir täglich mit solchen Unternehmen arbeiten, sind sie sicht- und spürbar: die Auswirkungen der Globalisierung, jene der Digitalisierung oder jene der Veränderungen im Nutzerverhalten.

Die Folge sind Unternehmen, die in kürzester Zeit in Schwierigkeiten geraten sind, Unternehmen, die die Veränderungen nicht vorausgesehen haben, Unternehmen, die heute noch arbeiten, morgen aber plötzlich nicht mehr. Man kennt das zur Genüge, nur: Was tun? Das wichtigste ist, ein Bewusstsein für die Veränderung zu schaffen, ein Bewusstsein dafür, dass man es ganz allein nicht schaffen kann: Netzwerke knüpfen, Beratung suchen, sich auf Marketingpläne stützen und die nächsten Schritte planen – das alles muss die Produktion flankieren, ja eigentlich sogar wichtiger sein als die Produktion.

Fragen wir uns ernsthaft: Für wen sollen wir produzieren, wenn niemand mehr bereit ist, unsere Produkte oder Dienstleistungen zu kaufen?
Schließlich möchte man den Morgen nicht erleben, an dem man aufwacht und weiß, dass eine Geschichte zu Ende gegangen ist. Wie jene von BlackBerry. Oder?